Destination Vielfalt

50 Jahre voller Begeisterung und Entwicklung

Ein halbes Jahrhundert ist eine lange Zeit! Wie lang das ist, wird durch die kleinen Alltäglichkeiten, an die sich manche bestimmt noch erinnern können, bewusst. Im Gründungsjahr des BGI waren Satisfaction von den Rolling Stones und Help von den Beatles die Hits des Jahres. Ludwig Erhardt war Bundeskanzler und Heinrich Lübke Bundespräsident. Ein Liter Diesel kostete 46 Pfennig und Heizöl gab es schon für 22 Pfennig. Werder Bremen wurde Deutscher Fußballmeister und im DFB-Pokalendspiel setzte sich Borussia Dortmund mit 2:0 gegen Alemannia Aachen durch. In der Mode war der Siegeszug des Mini-Rocks nicht mehr aufzuhalten und in den Kinos zog der dritte James Bond-Film „Goldfinger“ die Zuschauer in den Bann. 1965 wurden die Deutschen auch mobiler. Mittlerweile hatten die Meisten ihren eignen PKW vor der Tür und die Autohersteller befriedigten die veränderten Mobilitätsansprüche der Menschen mit Kombis. Ford Turnier, Opel Caravan und VW Variant waren die Renner (mit 56 PS) nicht nur für Familien, sondern auch für Handwerker.

Als der Verband des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels e.V. (BGI) 1965 das Licht der Welt in Düsseldorf erblickte, geschah das in einer Zeit, in der sich die Branche zwar im Wirtschaftswunderland Deutschland schon etabliert hatte, allerdings zugleich auch noch in einer Entwicklungsphase steckte. Von ihrem durchschnittlichen Monatslohn von 568,DM leisteten sich die Deutschen zusehends mehr Blumen und Zimmerpflanzen, denn man wollte es doch schön haben zu Hause. Sehr schnell avancierte Deutschland zum wichtigsten Blumenabsatzland und ist es bis heute geblieben. Damals lag der Gesamtumsatz mit Schnittblumen und Topfpflanzen noch bei unter 1 Milliarde DM.

Sinkende heimische Produktion

Der Selbstversorgungsgrad mit Blumen und Pflanzen aus heimischer Produktion lag 1965 bei rund 65 % Tendenz fallend. Mehr und mehr wurden Schnittblumen und Topfpflanzen aus anderen Ländern für den deutschen Markt importiert. Das wichtigste Importland war damals bereits Holland mit 58 %, gefolgt von Italien (28 %), Frankreich (3 %), Spanien (1 %) sowie Israel und Südafrika mit je 1 %. Verglichen mit heute waren die Importwerte allerdings recht gering. Der niederländische Anteil entsprach gerade einmal einem Warenwert von 164 Mio. DM.

Den Rückgang des Warenangebots aus heimischer Produktion betrachtete der BGI schon in seinen ersten Jahren mit Besorgnis. Den Ausweg aus dieser Misere sahen die Verantwortlichen des BGI damals darin, dass sich die Produzenten „nach den Wünschen des Großhandels richten. Der Großhandel ist nun einmal der Kunde. Dieser Wunsch geht dahin, daß die Produktion dem deutschen Großhandel ein konzentriertes Angebot bietet, was bisher nicht der Fall gewesen ist.“ Weiterhin bemängelte der BGI, dass einige Produzenten ihre Ware guter Qualität selbst verkaufen und dem Großhandel nur noch mittelmäßige und schlechte Qualität liefern. In diesem Zusammenhang kritisierte der BGI die herkunftsneutrale Werbung, die etwas später, Anfang der 70er Jahre, durch die neugegründete CMA noch intensiviert wurde. Mittel- und langfristig lautete die Forderung des BGI, dass die Produzenten neben der Konsumentenwerbung auch auf den Großhandel ausgerichtete Werbung machen sollen, „um den Großhandel von der Auslandsware wegzuführen und von der Qualität und dem guten Angebot deutscher Produktion zu überzeugen.“.

Die „fliegenden Holländer“

Als größtes Problem, ja fast schon Plage, für den deutschen Blumengroßhandel hatte der BGI in den ersten Jahren seines Bestehens aber die Geschäftspraktiken der sogenannten fliegenden Holländer angeprangert: „Es gibt holländische Unternehmer, die mit Fahrzeugen in die Bundesrepublik fahren und dort ihre Blumen verschleudern. Diese fliegenden Holländer kaufen in Holland nicht auf der Veiling ein, sondern direkt bei einem Gärtner. Der holländische Gärtner ist mit einem niedrigeren Preis einverstanden, weil er dadurch schwarzes Geld bekommt und häufig ist es so, daß der holländische Gärtner sehr verschuldet ist. Sodann fährt der fliegende Holländer ohne Bestellung in Deutschland die Detaillisten an und verkauft wesentlich billiger als hier bei uns üblich. Wenn es ihm einmal nicht gelungen ist, seine gesamte Ware abzusetzen, stellt er sich an die nächste Straßenecke und verkauft vom Auto her zu Schleuderpreisen.“. In diesem Zusammenhang schauten die BGI-Offiziellen damals auch mit Sorge nach Italien. Die italienischen Exporteure waren dabei, von Bahntransport vermehrt auf LKW umzustellen, und der BGI befürchtete, dass das zur gleichen Entwicklung wie mit den fliegenden Holländern führen könnte.

Die Zeiten ändern sich zum Glück!

Der heutige BGI ist dem seiner Gründungsjahre kaum noch zu vergleichen. Die Angst vor den Holländern und nicht nur vor den fliegenden ist einer intensiven Kooperation gewichen. Aktuell führen der BGI und sein niederländischer Partnerverband gemeinsame EU-geförderte Projekte durch, weil man erkannt hat, dass es nur miteinander geht. Ebenso pflegt der BGI des Jahres 2015 sehr gute Kontakte nach Italien. Erst im Herbst des letzten Jahres haben die Topfpflanzengroßhändler im BGI eine Informationsreise nach Sizilien unternommen und der BGI-Geschäftsführer wurde zuvor zu einem Vortrag vom ligurischen Landwirtschaftsminister eingeladen.

Insgesamt ist der BGI international geworden. Der latente Protektionismus der frühen Jahre ist schon bald einer aufgeschlossenen Haltung gewichen. An seinem 50. Geburtstag ist der Verband international vernetzt und in wichtigen globalen Gremien vertreten. Im Weltverband Union Fleurs gehört der BGI dem Vorstand an und führt in Person des BGI-Geschäftsführers den Vorsitz im EU-Ausschuss. Auch in der EU selbst hat der BGI Einfluss. So ist BGI-Geschäftsführer Frank Zeiler in der zivilen Dialoggruppe für Blumen und Pflanzen bei der Europäischen Kommission, Mitglied im beratenden Ausschuss für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit im Agrarsektor bei der Europäischen Kommission sowie registrierter und anerkannter Experte für Blumen und Pflanzen bei der Europäischen Kommission.

Seit 2008 hat der BGI mit Jan Roelofs einen gebürtigen Niederländer als Präsident wer hätte das vor 50 Jahren gedacht?! Aber damals konnte sich auch niemand vorstellen, dass der Gesamtumsatz mit Schnittblumen und Topfpflanzen im Jahr 2014 bei über 8 Milliarden Euro, also über 16 Milliarden DM, liegen würde oder dass es niederländische und italienische Fördermitglieder im BGI gibt.

Zeiten, Menschen und Dinge ändern sich, und das ist auch gut so! Der BGI in seiner aktuellen Prägung ist moderner, offener und globaler als je zuvor. Nur so kann der Verband den Ansprüchen seiner Mitglieder gerecht werden und sich für die Herausforderungen der Zukunft erfolgreich aufstellen.

Der BGI ist jetzt 50 Jahre jung! Dass der Verband sich über diese vielen Jahre so gut entwickeln konnte, verdankt er seinen Mitgliedern und vielen engagierten Menschen, die sich immer wieder bereit erklärt haben, eine Funktion im Vorstand zu übernehmen und aktiv an der Weiterentwicklung des BGI mitzuwirken.

Manche Mitgliedsbetriebe gehören zu den Mitgliedern der ersten Stunde, andere sind gerade erst beigetreten und wieder etliche andere gehören zu den Fördermitgliedern. Sie alle tragen dazu bei, dass sich der BGI auch in Zukunft tatkräftig und innovativ für die Belange der Branche einsetzen kann.

BGI-Präsidenten

1965 – 1967Fritz Döttling
1967 – 1975Alfred Hopmeier
1975 – 1977Karl Jacob Heinrich Peters
1977 – 1978Eberhard Gumz
1978 – 1991Hans Georg Dünnebacke
1991 – 1999Romano Semeria
1999 – 2008Gerhard Klümpen
2008 – Jan Roelofs

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Wir über uns

Der Verband des Deutschen Blumen- Groß- und Importhandels ist die bundesweite Interessenvertretung der deutschen Schnittblumen- und Topfpflanzengroßhändler sowie der Importhändler.

Unser Ziel ist die Förderung, Aufrecht- und Gesunderhaltung des Großhandels mit Blumen und Pflanzen in Deutschland. Dazu gehören die Wahrung und Vertretung der Interessen unserer Mitglieder bei nationalen und internationalen Behörden, Institutionen, Verbänden und Körperschaften.

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Alle Informationen zum BGI Trade Center auf der IPM 2017 vom 23. bis 26. Januar in Essen.
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